Vom Mode-Gag zur alltäglichen Badebekleidung: der Monokini
Die moderne Interpretation des Monokinis erobert auch im Sommer 2010 die Strände: Halb Bedeanzug, halb Bikini, sorgt er für maximale Sonnenbräune, ist als Einteiler jedoch auch komfortabel zu handhaben, denn nichts verrutscht. Den Monokini muss man sich vorstellen wie einen an der Taille extrem ausgeschnittenen Badeanzug oder auch wie einen klassischen Bikini, dessen zwei Bestandteile durch Schnüre, Ringe oder andere Applikationen fest miteinander verbunden sind. Heute ist der Monokini aus dem modernen Strandleben kaum wegzudenken.
Dass er allerdings schon einige Jahrzehnte an Geschichte auf dem Buckel hat, den ein oder anderen handfesten Skandal auslöste und vor allem ursprünglich als Oben-Ohne-Bikini konzipiert war, wissen die wenigsten. Und dabei war der Monokini ursprünglich nur ein Fashion-Gag. Der jüdisch-österreichische Modeschöpfer Rudi Gernreich, der vor den Nazis in die USA geflohen war und dort seitdem nicht nur zu einem der einflussreichsten Modedesigner des zwanzigsten Jahrhunderts, sondern auch zum Aktivisten und Vorreiter der homosexuellen Bewegung geworden war, stellte ihn 1964 der Presse vor. Er hatte die Vision einer kompletten Oben-Ohne-Mode, wobei er natürlich wusste, dass der prüde Zeitgeist diese untragbar machen würde. Ergo hatte er den Monokini auch nicht für die Produktion vorgesehen. Womit er nicht gerechnet hatte: Allein über Nacht trafen 1.000 Bestellungen für das Teil, das aus einem Bikini-Unterteil im 50er-Jahre-Stil mit angenähten, vor der Brust gekreuzten Hosenträgern bestand, ein. So gab er den Monokini zur Produktion frei, und er wurde ihm von seinen Kundinnen aus den Händen gerissen.
Diejenigen, die sich allerdings tatsächlich trauten, das gewagte Teil an öffentlichen Stränden zu tragen, mussten damals sogar mit einer Verhaftung rechnen - war man doch noch weit entfernt von sexueller Revolution und dem heute an Stränden üblichen Bild, wo sich die Schönheiten reihenweise nicht nur im Bikini, sondern sogar gänzlich oben ohne bräunen. Denn immerhin galt damals auch der 1946 entwickelte und nach dem Bikini -Atoll benannte Bikini noch als derart anstößig, dass dieser außerhalb des Wassers mit einem Strandkleid verhüllt werden musste.
Nach den freien Siebziger-, den hedonistischen Achtziger- und den körperkultivierenden Neunzigerjahren hat sich auch die Bademode wieder auf ein bisschen "mehr" an Stoff besonnen. Die Beinausschnitte werden wieder tiefer, und auch der Busen wird wieder verhüllt. So ist aus den ursprünglich dünnen Hosenträgern des Monokini ein Oberteil entstanden, das imstande ist, die Brust zu bedecken. In dieser Fassung erfreut sich der Monokini großer Beliebtheit, und seiner heutigen Trägerin ist sicherlich völlig gleich, ob er nun Badeanzug oder Bikini ist.